Qualifizierungskurs zum Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus

Pädagogische Fachkräfte sind regelmäßig damit konfrontiert, dass Jugendliche bestimmte Gruppen abwerten und Gleichaltrige ausgrenzen. Besonders in den letzten Jahren wurden offen demokratie- und menschenfeindliche Haltungen in allen Milieus befeuert. Das wirkt sich auch auf das Miteinander in Jugend- und Bildungseinrichtungen aus. Umso wichtiger, aber auch herausfordernder ist es für die Jugendarbeit, ihren Auftrag einer lebensweltlichen Demokratie- und Menschenrechtsbildung umzusetzen. Deshalb bietet die Fachstelle Rechtsextremismusprävention von cultures interactive e.V. von Juni bis August 2022 einen Qualifizierungskurs zum Umgang mit Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in der Jugend- und Bildungsarbeit an.

Erkennen, einordnen, verantwortlich handeln

Der Qualifizierungskurs vermittelt in fünf Modulen ein Handlungskonzept, das cultures interactive e.V. gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Praxispartner*innen entwickelt und erprobt hat. Anhand eines mehrstufigen Interventionsplans und praktischen Beispielen der Teilnehmenden werden situationsgerechte Strategien entwickelt, um präventiv, aber auch durch konkrete Interventionen abwertenden, menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Haltungen oder rechtsextremen Äußerungen zu begegnen. Der Kurs richtet sich an Fachkräfte aus Jugendarbeit, Bildung und Prävention.

Erprobtes Handlungskonzept

Die Inhalte werden in Inputs, gemeinsamen Diskussionen, in Kleingruppenarbeit und Heimlektüre vermittelt. In einem Online-Kursraum werden Literatur, Materialien, Arbeitsaufträge und Arbeitsergebnisse bereitgestellt. Die ersten vier Module finden im 14-tägigen Turnus jeweils donnerstags und freitags online per Zoom statt. Das fünfte Modul möchten wir offline in Berlin durchführen. Ein erstes Kennenlerntreffen für die Teilnehmenden findet am 16. Juni statt. Dort wird auch der Ablauf des Kurses und der einzelnen Module vorgestellt.

Die Termine

Info- und Kennenlerntreffen: 16. Juni 2022, 10 bis 11.30 Uhr, online
Modul 1: 23. + 24. Juni 2022, 9.30 bis 16 Uhr, online
Modul 2: 7. + 8. Juli 2022, 9.30 bis 16 Uhr, online
Modul 3: 21. + 22. Juli 2022, 9.30 bis 16 Uhr, online
Modul 4: 4. + 5. August 2022, 9.30 bis 16 Uhr, online
Modul 5: 18. August 2022, 15 bis 19 Uhr, + 19. August 2022, 10 bis 18 Uhr, in Berlin

Anmeldung und Teilnahmebeitrag

Bis zum 8. Juni 2022 können Sie sich für den Kurs anmelden. Der Teilnahmebeitrag beträgt 100,00 Euro. Gerne stellen wir im Anschluss ein Teilnahmezertifikat und eine Bescheinigung für Ihren Arbeitgeber aus. Bisher ist der Qualifikationskurs nicht als Bildungsurlaub anerkannt.

Alle Informationen zum Kurs können Sie auch als PDF-Datei herunterladen. Sie haben noch Fragen? Dann steht Ihnen Tina Heise unter heise@cultures-interactive.de zur Verfügung.

Die Module im Detail

Info- und Kennenlerntreffen am 16. Juni 2022, 10 bis 11.30 Uhr, online

Modul 1: Wahrnehmen und Einschätzen (23. und 24. Juni, 9.30 bis 16 Uhr, online)

Im ersten Modul geht es um rechtsextreme Erlebniswelten, aktuelle Stile, Formen der Hassäußerungen sowie ihre jugendkulturellen Ausdrucksformen, Codes und Musikrichtungen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Bedeutung von Geschlecht und Geschlechterrollen im Rechtsextremismus.

Modul 2: Situationsanalyse (7. und 8. Juli, 9.30 bis 16 Uhr, online)

Die Bedeutung von persönlichen, familiären und sozialen sowie gender- und milieuspezifischen Faktoren bei der Hinwendung zum Rechtsextremismus ebenso wie bei der Distanzierung stehen im Zentrum des zweiten Blocks. Eine methodische Vertiefung bieten die Ansätze des (biografisch-)narrativen Arbeitens, der Sozialraumanalyse sowie eine genderspezifische Reflexion.

Modul 3: Ein Team für den Prozess (21. und 22. Juli, 9.30 bis 16 Uhr, online)

Im dritten Block widmen wir uns Demokratiepädagogik und Beteiligungsansätzen in der Jugendarbeit, Strukturen der Rechtsextremismusprävention und -intervention, aber auch den Grenzen der Arbeit mit rechtsextrem orientierten oder gefährdeten Jugendlichen. Außerdem stellen wir die Methoden Reflexion und Coaching im Team, kollegiale Beratung sowie Verfahren und Techniken der Mediation vor.

Modul 4: Handlungsschritte planen (21. und 22. Juli, 9.30 bis 16 Uhr, online)

In diesem Modul beschäftigen uns lebensweltliche und interessensorientierte Zugänge zur Ausbildung sozialer und emotionaler Kompetenzen von Jugendlichen, die Entwicklung von „funktionalen Äquivalenten“ in der Distanzierungsarbeit sowie Ansätze der Anti-Gewalt-Arbeit und Konfliktmediation. Zudem betrachten wir verschiedene Gesprächstechniken: Mithilfe einer kritisch-zugewandten Haltung, dem Erzeugen von Irritationen, dem narrativen Nachfragen sowie akzeptierend-konfrontierenden und systemischen Interventionen lassen sich präventiv und interventiv Handlungsoptionen aufzeigen.

Modul 5: Maßnahmen umsetzen (18. August, 15 bis 19 Uhr, 19. August, 10 bis 18 Uhr, in Berlin)

Im letzten Modul thematisieren wir Hintergründe zu verschiedenen Jugendkulturen, Methoden der menschenrechtsorientierten Jugendkulturarbeit und des Umgangs mit Hetero-/Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und anderen Ungleichwertigkeitsvorstellungen. Zudem stellen wir genderreflektierende und spezifische pädagogische Ansätze, Anti-Bias und intersektionale Methoden in der Jugendarbeit vor.

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