Modellprojekt DisTanZ

Trainings

Mit verschiedenen Fachleuten werden DisTanZ-Trainings entwickelt, die sich zu einer Distanzierung von rechtsextremen und menschenverachtenden Haltungen und Milieus zu einem möglichst frühen Zeitpunkt eignen. Methodisches Merkmal ist eine von Respekt, Anerkennung und Hinterfragung getragene 'Kritische Zugewandtheit' (CI) und jugendkulturelle Beziehungsbildung. Maßnahmen der 'Frühen Distanzierung' werden konzeptioniert und erprobt, wobei biographische und psychodynamische Einzel- und Gruppensettings sowie Elemente aus der Ausstiegshilfe, postklassischer politischer Bildung, jugendkultureller Ausdrucksarbeit, Mediengestaltung im Team, Antigewalt-Arbeit, Psychotherapie/Psychotraumatherapie, Mediationsverfahren und Theaterpädagogik zur Anwendung kommen.

Geplant sind Trainings im Gruppensetting von 8-12 Teilnehmer_innen im Rahmen von 3-6 Modulen à 15 Tagen. Ein erstes fünftägiges Probetraining ist Ende 2015 angesetzt, es folgt mindestens ein Training pro Jahr bis 2019. Mindestens ein mädchenspezifisches Training soll erprobt werden.

 

Die Teilnehmer_innen für die DisTanZ-Trainings werden im gesamten Bundesgebiet angesprochen. Die Zielgruppe wird in Kooperation mit Jugendhilfestrukturen und ggf. durch Direktansprache bei Workshops in Jugendklubs und (Schul)projekttagen erreicht.

Auch werden die Trainings mit bereits bestehenden Maßnahmen vor Ort abgestimmt und Möglichkeiten der gegenseitigen Ergänzung erarbeitet.DisTanZ

Für ein gelungenes Fall-Management der Prävention und frühen Distanzierung wird in Kooperation mit dem Jugendamt Weimarer Land ein kommunales DisTanZ-Zentrum aufgebaut. Dieses Kompetenzforum ermöglicht unter Beteiligung relevanter Akteur_innen aus den Regelstrukturen eine übergreifende Fallarbeit mit gefährdeten Heranwachsenden und soll langfristig eine kompetente Begleitung von diesen vor Ort gewährleisten. Mit Hilfe dieses Institutionsübergreifenden (inter-agency) Ansatzes wird so ein gemeinwesenbildendes Verfahren zur Radikalisierungsprävention etabliert, das Vorbildcharakter für andere Regionen in Deutschland hat.

CI arbeitet bei dem Aufbau des DisTanZ-Zentrums mit Akteur_innen der„Info-House“-Praxis (Dänemark) und des „Mentoring“-Ansatzes (UK) zusammen.

Diese Form der Radikalisierungsprävention sieht ebenfalls vor, dass Mitarbeiter_innen verschiedener pädagogischer Disziplinen des Gemeinwesens strategisch zum Themenspektrum „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ weitergebildet werden.

Dieser intensivierte Modus der Kooperation von Regelstruktur-Akteur_innen untereinander wird ergänzt durch den Austausch mit spezialisierten Expert_innen von außen. In Form von Fachforen werden sowohl bei der Entwicklung der DisTanz-Trainings, als auch dem Aufbau des DisTanZ-Forums Expert_innen aus Kommunalentwicklung, Kinder- und Jugendforschung, Gewaltforschung, politischer Bildung und weiteren relevanten Disziplinen eingebunden.

Problembewusstsein, Informationsaustausch, personenbezogene Präventionsstrategie und Handlungsbegleitung vor Ort werden so in neu systematisierter, zivilgesellschaftlicher und vernetzter Weise umgesetzt.

 

Die DisTanZ-Trainings auf einen Blick

Ziele

Die Entwicklung von Sozialtrainings für Heranwachsende, deren Leben und Umfeld geprägt ist von menschenverachtenden und rechtsextremen Haltungen. Hierbei sollen junge Menschen möglichst früh Möglichkeiten und Erfahrungsräume erhalten, die Prozesse der Reflektion zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus anstoßen. Die Trainings richten sich an Jugendliche, die durch Abwertungen gegenüber anderen Gruppen auffällig geworden sind und /oder an entsprechenden Gewaltübergriffen beteiligt waren.

Zielgruppen

  • Gefährdete Heranwachsende zwischen 12-18 Jahren, u.a. Kinder und Jugendliche aus rechtsextremen Familien- und Sozialmilieus
  • Jugendliche, die durch Abwertungen gegenüber anderen Gruppen auffällig geworden sind und/oder an entsprechenden Gewaltübergriffen beteiligt waren/sind

Dauer

Gruppentraining: 15 Tage, in mehrtägigen Blöcken, flexibel im Zeitraum von 5 Monaten

Einzeltraining: 10 Sitzungen á 90 Minuten, 1-2 wöchig, 5 Vor-/Nachgespräche

Regionale Verortung

Teilnehmer*innen aus dem gesamten Bundesgebiet können teilnehmen. 

Gruppentraining: lokale Bildungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeit

Einzeltraining: lokal

Beginn

Informationen zum aktuellen DisTanZ-Gruppentraining (doc, 272 KB)

Fachliche Vorraussetzungen

  • Sozialraumorientiert unter Einbezug des Lebensumfelds und der Bezugspersonen des Jugendlichen
  • Vorgespräche und Fallanalyse mit Sozialpädagog_innen im Vorfeld,
  • Nachbetreuung nach Abschluss des Trainings

Verweisungsstruktur

Möglich durch Jugendgerichtshilfe, HzE-Maßnahme, Sonstiges