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Orientierungshilfe für Jugendämter zu Kindeswohl im Kontext (islamistisch) radikalisierter Familien

Die Jugend‐ und Familienministerkonferenz (JFMK) hat auf ihrer Sitzung am 3./4. Mai 2018 festgestellt, dass sich die Kinder‐ und Jugendhilfe zunehmend mit dem Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Familien mit radikalisierten Eltern, Geschwistern oder anderen Familienmitgliedern konfrontiert sieht und deshalb eine fachliche Orientierungshilfe, vorrangig für Fachkräfte in Jugendämtern, erforderlich ist. Systemische Ansätze, um innerfamiliärer Co‐ bzw. Folgeradikalisierung entgegenzuwirken, aber auch Mütter‐ und mädchenspezifische Angebote befinden sich im Stadium erster Praxiserfahrungen. Fachliche Interventionskonzepte, insbesondere familiensystemische und gender‐reflektierte Ansätze, sind noch in der Entwicklung. Die Erforschung wissenschaftlich fundierter Grundlagen für die Arbeit mit diesen Familien steckt noch in den Anfängen.

Um die Bearbeitung des Themas einer multiperspektivischen Zusammenführung der verschiedenen Kompetenz aus Sozial‐, Rechts‐ und Religionswissenschaften sowie aus den spezialisierten Feldern der intensivpädagogischen Radi-kalisierungsprävention und des klassischen Kinderschutzes zu gewährleisten, hat das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Umsetzung des JFMK-Beschlusses die Projektpartner mit der Erstellung einer Orientierungshilfe für Jugendämter zu Kindeswohl im Kontext (islamistisch) radikalisierter Familien beauftragt.

Die Orientierungshilfe soll leisten:

  • Kontext‐ und Begriffsklärung in einem begrifflich vielgestaltigen und unvermeidlich aufgeladenen Feld sowohl von Erziehung und Kindeswohl als auch von ideologischen Bekenntnisinhalten und Verhaltensweisen.
  • Entwicklungspsychologische und rechtliche Grundlegungen zur Gewährleistung einer dem Kin-deswohl gemäßen Erziehung bzw. zur Vermeidung von Kindeswohlgefährdung bei Aufwachsen in einer (islamistisch) radikalisierten Familie.
  • Konzepte zu Interventionen in und mit Familien, die in Bezug auf Religion, Weltanschauung und gesellschaftspolitische Dynamiken sensibel sind, im Hinblick auf Kindeswohl und die elterliche Be-fugnis zur Erziehung.
  • Wege für einen Zugang zu den Familien sowie Zugang der Betroffenen aus den Familien zu Hilfen aufzeigen.
  • Kriterien zur Gefährdungseinschätzung, zu Ressourcen und Resilienz, Belastungen und Risiken praxisnah darstellen.
  • Unterstützung des Strukturaufbaus in den Ländern zu spezialisierter Beratung durch Aufzeigen von Potenzialen für 
  • eine institutionalisierte Kooperation mit Jugendämtern.
  • Hinweise zur Überwindung der Erwartungsdiskrepanzen für die Kooperation zwischen Jugendämtern bzw. Trägern der Erziehungshilfe und den Sicherheitsbehörden.

 

Projektpartner

SOCLES International Centre for Socio-Legal Studies gGmbH



cultures interactive Verein zur interkulturellen Bildung und Gewaltprävention e.V. (CI)

 



Türkische Gemeinde in Schleswig‐Holstein e.V. (TGS‐H)

 

Laufzeit  November 2019 bis Oktober 2020